Rudern gehört zu den effektivsten Ganzkörpertrainings überhaupt. Kaum eine andere Sportart aktiviert so viele Muskelgruppen gleichzeitig und verbindet Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit in einem fließenden Bewegungsablauf. Doch genau darin liegt auch die Herausforderung: Rudern lebt von Technik. Eine saubere Rudertechnik entscheidet darüber, ob du effizient trainierst, Fortschritte machst und langfristig gesund bleibst, oder ob du dich mit unnötigen Fehlern ausbremst und deinem Körper schadest.
Ich bin Lars Wichert, dreifacher Weltmeister und zweimaliger Olympiateilnehmer im Rudern. In über 13 Jahren Nationalmannschaft habe ich nicht nur selbst auf höchstem Niveau trainiert, sondern vor allem gelernt, Rudertechnik verständlich zu vermitteln. Als Sportwissenschaftler weiß ich, welche Fehler beim Erlernen besonders häufig auftreten und warum sie passieren.
In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die Rudertechnik richtig lernst, welche Fehler du vermeiden solltest und wie du auf dem Rudergerät von Anfang an effizient, sicher und kraftvoll ruderst. Zusätzlich gebe ich dir bewährte Eselsbrücken mit an die Hand, die dir helfen, die Bewegung nicht nur zu verstehen, sondern zu fühlen.
Warum ist die richtige Rudertechnik so entscheidend?
Rudern beansprucht bis zu 85 % der gesamten Muskulatur. Beine, Gesäß, Rücken, Arme, Schultern und die tiefe Rumpfmuskulatur arbeiten in jedem Schlag zusammen. Genau deshalb ist Rudern so effektiv, aber koordinativ auch so anspruchsvoll.
Wenn die Technik stimmt:
wird die Kraft optimal über Beine, Rumpf und Arme übertragen
bleibt die Wirbelsäule stabil und entlastet
trainierst du effizienter bei geringerer Belastung
sinkt das Risiko für Rücken-, Knie- oder Schulterschmerzen
Gerade Anfänger auf dem Rudergerät machen häufig den Fehler, zu früh mit hoher Intensität zu trainieren, ohne die Technik zu beherrschen. Typische Folgen sind ein verspannter unterer Rücken, ineffiziente Schläge und schnelle Ermüdung. Die gute Nachricht: Rudertechnik lässt sich genau lernen, wenn man sie richtig angeht.
Vorbereitung auf das Rudern
- Stemmbrett: Stelle sicher, dass der Fußriemen über dem breitesten Teil deines Fußes sitzt. So bekommst du optimalen Halt. Die Höhe der Fersenschale sollte so gewählt werden, dass du noch in die volle Auslage rollen kannst (Unterschenkel steht nahezu senkrecht). Der Fußballen sitzt auf dem kleinen Winkel des Stemmbretts.
- Widerstand: Für Anfänger empfiehlt sich ein Widerstand zwischen Stufe 3 und 5. Fortgeschrittene können den Widerstand erhöhen, um die Intensität anzupassen.
- Display und Programme: Nutze die Trainingsprogramme deines Geräts, um Abwechslung in dein Work-out zu bringen und deine Fortschritte zu überwachen.
Grundlagen der richtigen Haltung beim Rudern
Die Rudertechnik beginnt nicht mit dem ersten Schlag, sondern bereits mit deiner Grundhaltung.
Setze dich aufrecht auf den Rollsitz. Dabei geht es nicht um maximale Spannung, sondern um eine stabile, entspannte Aufrichtung. Ich beschreibe das gerne als Mischung aus Grundspannung und „Kartoffelsack“.
Praktischer Einstieg:
Ziehe die Schultern einmal bewusst zu den Ohren
Atme aus und lasse sie locker fallen
Finde eine aufrechte, aber entspannte Position
Der Griff wird locker, aber kontrolliert gehalten. Wichtig ist, dass kein Klammern entsteht.
Der Ruderschlag – die vier entscheidenden Phasen
Endzug (Rücklage): Im Endzug – der hinteren Umkehrposition – sitzt du mit gestreckten Rücken, der leicht hinter die Hüftachse geneigt ist. Die Beine sind durchgestreckt, und der Griff wird knapp unterhalb des Brustkorbs gehalten. Diese Phase erfordert Spannung im Oberkörper, insbesondere im unteren Rücken, um die Haltung zu stabilisieren. Die Bauchmuskulatur spielt den Gegenpart und liefert die restliche Spannung für einen stabilen Rumpf. Die Arme ziehen den Griff mit leicht abgespreizten Ellenbogen am Körper vorbei, während die Handgelenke gerade bleiben.
- Technik-Tipp: Stell dir vor, eine Stecknadel würde in deinem Rücken stecken – das hilft, die Brust herauszustrecken und den Oberkörper aufrecht zu halten. Die Blickrichtung steuert deine Körperhaltung, deshalb sollte der Blick zum Display gehen. Also nicht nach unten und nicht nach oben.
Vorrollen (Die Vorbereitung): Nach dem Endzug beginnst du, dich in die Auslageposition zu bewegen. Dabei strecken sich zunächst die Arme, der Oberkörper folgt der Armbewegung und neigt sich mit dem Drehpunkt in der Hüftachse leicht nach vorn. Wenn die Hände die Knie passiert haben, beginnt die Anrollbewegung und die Knie beugen sich. Diese Phase ist entscheidend für eine kontrollierte und flüssige Bewegung. Hier erfolgt die gesamte Vorbereitung des Ruderschlags. Während der gesamten Vorrollbewegung ist die Rumpfmuskulatur aktiv jedoch ohne ein Gefühl von Steifigkeit zu erhalten.
- Technik-Tipp: Ziehe dich mit deinen Füßen aktiv nach vorne, als würdest du das Rudergerät unter dir durchziehen. Dies hilft, die Kontrolle zu behalten und die Bewegung flüssig zu gestalten.
Vordere Umkehr (Auslage): In der Auslageposition sind die Beine angewinkelt, die Unterschenkel stehen nahezu senkrecht, die Arme sind gestreckt, jedoch nicht steif im Ellenbogengelenk. Der Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt, die Schulterachse ist vor der Hüftachse. Die Rumpfmuskulatur stabilisiert den Körper. Die vordere Umkehr ist der Punkt, an dem die Bewegung ihre Richtung ändert und du vom Vorrollen in den Durchzug übergehst. Dies ist ein kritischer Moment, der flüssig und ohne Verzögerung ausgeführt werden sollte. Deine Rumpfmuskulatur bleibt angespannt, um die Kraftübertragung auf die Beine zu maximieren.
- Technik-Tipp: Stell dir vor, du würdest eine heiße Herdplatte berühren und sofort wieder loslassen. Diese Vorstellung hilft dir, den Übergang dynamisch und direkt zu gestalten.
Durchzug (Die Kraftphase): Der Beinstoß aktiviert Quadrizeps, Hamstrings und Gesäßmuskulatur, während der Oberkörper dynamisch nach hinten neigt und der Latissimus die Zugbewegung übernimmt. Zum Ende des Zuges setzen die Arme ein und aktivieren Bizeps und Trizeps sowie den Trapezius. Der Durchzug ist die Phase, in der die meiste Energie freigesetzt wird. Mit einem kräftigen Beinstoß schiebst du den Sitz nach hinten, während der Oberkörper eingespannt hinter dem Griff hängt und zu Beginn des Schlags eine Parallelverschiebung mitgeht.
- Technik-Tipp: Achte darauf, dass die Bewegung der Beine, des Oberkörpers und der Arme harmonisch abläuft. Die Beine initiieren den Stoß, der Oberkörper folgt, und die Arme schließen die Bewegung ab. Ein gleichmäßiger, kraftvoller Zug sorgt für maximale Effizienz. Hier hilft auch der kleine Merksatz für die richtige Abfolge: Beine – Oberkörper – Arme
Der flüssige Bewegungsablauf
Häufige Fehler bei der Rudertechnik und wie du sie vermeidest
Fehler 1: falsche Bewegungsreihenfolge
- Knie kommen zu früh hoch, Hände bleiben „hängen“ oder gehen über den „Berg“.
- Lösung: Bewegungsabfolge isoliert üben – besonders das Anrollen.
Fehler 2: Rücken verliert Spannung
- Der Rücken verliert entweder während der Druckaufnahme Spannung (Kiste schieben) oder im Endzug (Zusammensacken).
- Beim Vorrollen stellst du die eine Sprungfeder vor, die immer weiter zusammengedrückt wird und sich somit Spannung aufbaut. Im Endzug ist es eine kleine Stecknadel, die dir in den unteren Rücken piekst, damit du dich leicht aufrichtest. Rumpf aktiv halten.
Die Bedeutung der Blickrichtung
Die Blickrichtung beeinflusst deine gesamte Körperhaltung.
Blick nach unten → Oberkörper sackt ein
Blick zu hoch → Hohlkreuz
Optimal ist ein Punkt leicht oberhalb des Bildschirmes. Dieses Prinzip gilt nicht nur beim Rudern, sondern auch im Alltag – etwa beim Fahrradfahren durch Kurven. Der Blick steuert immer die Bewegung.
Die richtige Schlagzahl und Intensität
Trainingstipps für Einsteiger und Fortgeschrittene
Ein allgemeiner Tipp für Ruder-Anfänger ist:
Schlagfrequenz: 19–21 SPM
moderater Widerstand
kurze Einheiten (10–15 Minuten)
Technik vor Intensität
Ein Zeichen guter Technik ist, wenn du mit niedriger Frequenz genauso schnell bist wie mit höherer.
Wie der AUGLETICS Virtual Coach dir hilft
Häufig gestellte Fragen zum Rudern
- Wie oft sollte ich rudern? Zwei- bis dreimal pro Woche für Anfänger, bis zu fünfmal für Fortgeschrittene.
- Kann ich mit Rudern abnehmen? Ja, durch den hohen Kalorienverbrauch und den Muskelaufbau unterstützt Rudern die Gewichtsabnahme.
- Ist Rudern für Menschen mit Rückenproblemen geeignet? Ja, solange die Technik stimmt. Bei Unsicherheiten solltest du vorher einen Arzt konsultieren.
Für ausführlichere Informationen und weitere hilfreiche Tipps rund ums Thema Rudern, empfehlen wir dir, unsere anderen Blogartikel durchzulesen. Dort findest du Antworten auf viele weitere spannende Fragen!
Wie zum Beispiel unser Artikel „Rudern gegen Rückenschmerzen: Warum diese Sportart ideal für deinen Rücken ist“ womit die Frage beantwortet wird. Ferner kannst du auch auf unserem YouTube-Kanal einige Videos zur Technikverbesserung, Rudereinheiten oder weiteren Tipps finden.
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Rudertechnik ist der Schlüssel zu effektivem Training
Die richtige Rudertechnik ist kein Hexenwerk, aber sie benötigt Aufmerksamkeit.
Mit sauberer Haltung, klarer Bewegungsabfolge und etwas Geduld wird Rudern zu einer der effizientesten und gesündesten Trainingsformen überhaupt.
Wenn du Technik vor Tempo setzt, wirst du langfristig stärker, schneller und kannst schmerzfrei trainieren. Dank innovativer Geräte wie dem AUGLETICS Eight Style kannst du deine Technik kontinuierlich verbessern und dein Training optimal anpassen. Ob Einsteiger oder Profi – Rudern lohnt sich für jeden.